MEDIENARCHIV 10.07.03

 
"Man muss eine eigene Philosophie haben"  -  Franco Foda

Fußball-Trainer Franco Foda sieht Parallelen zwischen sich, Eric Gerets und Jürgen Klopp/Bundesliga als Ziel

Vom 10.07.2003
 
Von unserem

Redaktionsmitglied

Bardo Rudolf

MAINZ - Ein typischeres Datum hätte es für einen gebürtigen Mainzer nicht geben können. Ausgerechnet am 11. 11. wurde Franco Foda offiziell zum Trainer des österreichischen Bundesligisten SK Sturm Graz befördert. Dort war er zuvor erst als Spieler und dann als Co-Trainer aktiv. Sieben Monate später war das erste Engagement des früheren Bundesligaprofis als Trainer wieder beendet. Vereinspräsident Hannes Kartnig verkündete die Trennung von Foda und ernannte Gilbert Gress zu dessen Nachfolger.

"Ich war logischerweise davon überrascht", sagt der frühere Profi. Schließlich habe er bei seinem Amtsantritt ein Drei-Jahres-Konzept ausgearbeitet, das auch vom Präsidenten abgesegnet worden sei. Inzwischen sieht dies Kartnig aber anders: "Der Trainer hat gute Arbeit geleistet, die Platzierung hat aber nicht gestimmt." Dieses Argument lässt Foda nicht zählen. "Als ich die Mannschaft übernommen hatte, war sie auf dem sechsten Platz. Und auf diesem Rang haben wir die Saison auch abgeschlossen. Außerdem waren wir bis vier Spieltage vor Schluss nur einen Punkt hinter dem Tabellenzweiten."

Dann kosteten späte Gegentore gegen Salzburg und den Lokalrivalen Grazer AK insgesamt drei Punkte. Damit war die Hoffnung auf die Teilnahme am Uefa-Cup dahin. "Wir haben mit einer jungen Mannschaft gespielt, in der sogar zwei 18-Jährige waren", sagt Foda. Die Besinnung auf den Nachwuchs kam dabei nicht ganz freiwillig, weil der Verein mit Imre Szabics und Daniel Hoffmann zwei erfahrene Spieler während der Saison suspendiert hatte. "Ich habe im Dezember gesagt, dass wir noch einen Torwart und einen Verteidiger brauchen. Das wurde mir nicht gewährt, also haben wir in der Winterpause beschlossen, auf die jungen Spieler zu bauen." Dass dies auch immer Rückschläge bedeutet, war vielen klar - nur dem Präsidenten wohl nicht.

Dabei schrieb Foda in seinen ersten Trainermonaten lange Zeit eine Erfolgsstory. Nach der Entlassung seines Vorgängers Ivica Osim, der Graz in achteinhalb Jahren zu zwei Meistertiteln, drei Pokalsiegen und drei Champions-League-Teilnahmen führte, war Foda nur als Übergangslösung gedacht. Kartnig wollte einen renommierten Coach wie Christoph Daum holen. Weil dieser aber lieber zu Austria Wien ging, vor allem aber weil Foda während seiner Interimstätigkeit mit vier Siegen in fünf Erstligaspielen und dem Einzug in die zweite Uefa-Cup-Runde für sich warb, gab Kartnig dem früheren Bundesligaprofi den Zuschlag. Francos Bruder Klaus, der bis zum Sommer den Bezirksligisten SVW Mainz betreute und jetzt zur SV Bischofsheim 07 wechselt, war von der Ernennung zum Trainer wenig überrascht: "Franco traue ich alles zu. Der war schon als Fußballer so was von ehrgeizig, daran hat sich nichts geändert."

Um als Trainer ähnlich erfolgreich zu werden wie als Spieler, konnte sich Foda bei vielen bekannten Übungsleitern etwas abschauen. Von Kalli Feldkamp, mit dem er in Kaiserslautern Pokalsieger wurde, die Motivationskünste. Von Franz Beckenbauer während seiner kurzen Nationalmannschaftskarriere die Ausstrahlung. Auch von seinem Vorgänger Osim, unter dem er auch Spieler war, habe er viel gelernt. Kopieren könne man aber keinen der Trainer. "Man muss eine eigene Philosophie haben", macht Foda klar. "Es gibt in Deutschland Trainer, die ähnlich spielen lassen wie ich. Dazu gehören Lauterns Erik Gerets oder Jürgen Klopp von Mainz 05." Das Schicksal seiner beiden Ex-Vereine in den letzten Monaten ließ den 37-Jährigen denn auch nicht unberührt. Vor allem mit den Mainzern hat er am 25. Mai mitgelitten. "Ich habe den letzten Spieltag auf Premiere verfolgt. Das war sehr schade für die Mainzer, dass sie es nicht geschafft haben. Denn sie spielen einen attraktiven Fußball."

Bleibt die Frage nach Fodas Zukunft. "Der Verein will mich unbedingt als Amateurtrainer halten. Der Vertrag läuft ja auch noch ein Jahr. Aber ich habe mich noch nicht entschieden." Auf jeden Fall ist er in den letzten Monaten seinem großen Ziel ein gutes Stück näher gekommen: "Nach Beendigung meiner Spielerlaufbahn will ich unbedingt Bundesliga-Trainer werden", sagte Foda. Und diese Aussage ist schon über zehn Jahre alt.