„Ich fühle Schmerz, aber ich spiele trotzdem weiter“
„Überall gibt es Idioten“
Didier Angibeaud
Didier Angibeaud, Kameruns Nationalspieler in den
Reihen von Sturm Graz, hätte es auch leichter haben können. Bereits mit
zwölf Jahren ist er nach Frankreich übersiedelt, hat dort ein
Fußball-Internat besucht und zuletzt beim Zweitligisten Nizza gespielt.
Angebote, in Frankreich zu bleiben, hatte er genug, doch letztendlich
lockte mit Sturm die Champions League und damit die europäische
Eliteliga. In Österreich mußte er jedoch nicht nur Verletzungen und das
Dasein auf der Ersatzbank ertragen lernen, sondern auch rassistische
Schmähungen, wie jene beim Schlager gegen Rapid am 29. 8. 1998 im
Hanappistadion.
FairPlay: Haben sie die rassistischen Rufe beim Match gegen Rapid
gehört, und was haben sie dabei empfunden?
Angibeaud: Natürlich habe ich sie gehört. „Uh Uh Uh!“ Überall gibt es
Idioten, aber sie sind nicht die Mehrheit. Unter 100 Personen findet man
immer ein oder zwei, die dumm sind. Was wollen Sie denn machen? Ich kann
nichts dagegen tun. Natürlich gefällt mir so etwas nicht. Es macht keine
Freude, so etwas zu hören. Wenn alle so schreien würden, hätte ich
vielleicht anders reagiert.
Haben sie gewußt, daß es beim nächsten Heimspiel eine
antirassistische Aktion von seiten der Rapid-Fans gegeben hat, wobei
Flugzettel verteilt wurden?
Da ich in Graz bin, weiß ich nicht, was in Wien passiert.
Auf jeden Fall gab es eine Aktion.
Ah, das ist sehr gut. Das ist sehr gut sogar!
Es gibt eine große afrikanische Community in Graz. Haben sie mit
dieser Kontakt?
Ja, aber nicht sehr viel, da ich mit meinem Beruf ausgelastet bin.
Aber wenn ich etwas Zeit habe, versuche ich immer, bei den diversen
Veranstaltungen – z.B. wenn es ein kleines Fest gibt – dabei zu sein.
Wir spielen zwei Mal pro Woche und gerade war ja auch noch die Champions
League, da habe ich nicht sehr viel Zeit. Aber wenn es möglich ist, bin
ich dabei!
Kennen sie Leute, die Opfer rassistischer Übergriffe in Graz sind?
Niemand speziellen. Gut, ich habe gehört, daß manche darüber
sprechen, aber da ich nicht alle kenne, kann mir auch nicht jeder seine
Probleme berichten. Ich persönlich kenne vor allem Studenten, und diese
haben weniger solche Probleme.
Was denken sie über rassistische Angriffe gegenüber Afrikanern in
der Stadt?
Ich denke, es ist dumm. Es ist idiotisch. Vor allem, weil wir
Afrikaner keine bösen Leute sind. Vielleicht hängt es damit zusammen,
daß die Leute Afrikaner zu wenig kennen. Sie sind es nicht gewohnt, mit
Afrikanern Umgang zu haben, und haben ein falsches Bild. Vielleicht
werden die Menschen mit der Zeit verstehen, daß die Afrikaner nicht
diese sind, wofür sie sie halten. Vor allem diejenigen, die so handeln
und „Uh-Uh“ schreien.
Sie haben lange in Frankreich gelebt. Gibt es einen Unterschied in
der Art wie sie in Frankreich behandelt wurden und der in Österreich?
Ich würde sagen, in Frankreich habe ich die Sprache gesprochen. Wenn
jemand eine komische Attitüde hatte, konnte ich darauf reagieren. Aber
hier kann ich das nicht. Das hat vielleicht auch damit zu tun, daß ich
bei Sturm spiele. Ich bin im Fernsehen, in den Zeitungen, jeder lächelt
mich an, alle grüßen mich. Würde ich nicht spielen, würde ich vielleicht
anders reagieren, ich weiß es nicht.
Glauben sie, daß die Tatsache, daß immer mehr Afrikaner in
europäischen Klubs spielen, dazu beiträgt, den Rassismus
zurückzudrängen?
Ja, ich glaube schon. Denn dadurch ist man mit ihnen konfrontiert,
die Leute gewöhnen sich daran, Afrikaner zu sehen, und vielleicht
verändert das das Bild, das sie von ihnen haben. Denn wenn du mit der
Person täglich zu tun hast, sei es im Fernsehen oder in den Zeitungen,
wenn du mit ihr zusammen kommst, reagierst du anders.
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