MEDIENARCHIV 28.05.07

 

U-Richterin entscheidet über Haft

Kartnig wird Veruntreuung und Hinterziehung von Abgaben vorgeworfen.

Die Frage nach dem Verbleib eines Geldbetrages von 2,2 Millionen Euro hat zur Festnahme des früheren Präsidenten des Bundesliga-Klubs Puntigamer Sturm Graz, Hannes Kartnig, geführt. Das erklärte die Staatsanwaltschaft Graz Dienstagmittag. Noch am Nachmittag soll Kartnig der U-Richterin vorgeführt werden, die über eine U-Haftverlängerung entscheidet.
 

Sechs Monate nach Eröffnung eines Konkursverfahrens gegen den Traditionsverein war der frühere Klubpräsident am Montagabend festgenommen worden.
 

Millionen spurlos verschwunden
Konkret geht es darum, dass zwischen 1998 und 2005 rund 2,2 Mio. Euro aus der Sturm-Kassa verschwanden.
 

"Dieses Geld war auf Konten des SK Sturm und hat sich dann auf einmal nach einer Behebung nicht mehr in den Büchern gefunden. Im selben Zeitraum ist auffällig, dass Herr Kartnig rund 40 Millionen Schilling verspielt hat in Casinos. Darum drängt sich die Frage auf, wo das Geld verblieben ist oder ob es ein anderes Geld war, das Herr Kartnig verspielt hat", so der Sprecher der Grazer Staatsanwaltschaft, Manfred Kammerer.
 

Vorwurf der Veruntreuung
Kartnig wird nun eine ganze Reihe an Delikten vorgeworfen, darunter Veruntreuung von Vereinsgeldern und Abgabenhinterziehung - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
 

Auch Ex-Sekretär verhaftet
Weil es über den Verbleib der Millionen bisher immer unterschiedliche Angaben zwischen Kartnig und einem ehemaligen Sekretär des Vereins gab, wurden nun beide wegen Verdunkelungs- und Verabredungsgefahr festgenommen.
 

"Diese zweite Person ist auch eine Person, die Zugang zu diesem Geld hatte. Jetzt muss man schauen: Wer hat das Geld entnommen, bekommen und wer hat es wie verwendet?" so Kammerer.
 

Anwalt: Vorgehen nicht nachvollziehbar
In einer ersten Reaktion sprach Kartnigs Anwalt Richard Soyer von einem überraschenden Vorgehen der Staatsanwaltschaft, das für ihn nicht nachvollziehbar sei.
 

Rücktritt Ende des Jahres
Kartnig hatte die Vereinsführung von Sturm im Dezember 1992 in einer schweren sportlichen und finanziellen Krise übernommen. Der Selfmade-Millionär, der Sturm 1998 als erstes steirisches Team zum österreichischen Fußballmeister gemacht hatte, reichte im November 2006 seinen Rücktritt ein. Potente Investoren hatten den Abgang Kartnigs als Bedingung für die Rettung des Klubs gestellt.
 

Neben einem zweiten Meistertitel 1999 gab es in der Kartnig-Ära für Sturm auch drei Cup-Siege. In der Saison 2000/02 schaffte es Sturm sogar in die Zwischenrunde der Champions League.