MEDIENARCHIV 27.03.07

 
Neben Einspruch vor dem Protestkomitee strebt der GAK auch eine Klage vor einem ordentlichen Gericht an.
Beim insolventen steirischen Traditionsklub Liebherr GAK fürchtet man nach dem Abzug von 22 Punkten und dem drohenden Abstieg aus der T-Mobile Bundesliga um die Existenz. "Durch den Punkteabzug werden sich Sponsoren zurückziehen. Es könnte sein, dass der Konkurs kommt", meinte Masseverwalter Norbert Scherbaum am Montag.
 

Alle rechtlichen Mittel sollen nun ausgeschöpft werden, neben dem Einspruch beim Protestkomitee wird auch der Gang vor ein ordentliches Gericht angestrebt.
 

Nicht nachvollziehbar
Hans Rinner, der Präsident des gerade durch einen Zwangsausgleich geretteten Puntigamer Sturm Graz, bezeichnete die Entscheidung des Senats 5 der Bundesliga, Sturm in der laufenden Meisterschaft zehn Punkte abzuziehen, als "unfassbar und nicht nachvollziehbar".
 

Er frage sich, so Rinner in einer eilig einberufenen Pressekonferenz Montagnachmittag in Graz, ob hier nicht Willkür vorliege.
 

"Jahrelange Aufbauarbeit zerstört"
"Das war eine Hiobsbotschaft, ich bin sprachlos und kann dazu nichts sagen", meinte GAK-Präsident Stephan Sticher in einer ersten Reaktion. "Unsere jahrelange Aufbauarbeit ist damit zerstört worden."
 

Neben dem Punkteabzug habe man von der Bundesliga auch die Auflage bekommen, für sämtliche Einnahmen eine Bankgarantie zu hinterlegen.
 

"Mein Ziel ist es, dass wir bis 19. April (Zwangsausgleichstagung, Anm.) die 22 Punkte wieder zurückhaben", gab sich Sticher kämpferisch, auch wenn er betonte: "Wenn bis dahin keine Entscheidung fällt, planen wir unser Budget erst einmal für die Red Zac Erste Liga."
 

Gläubiger werden geschädigt
Fakt ist laut Masseverwalter Scherbaum, dass in einem laufenden Konkursverfahren aus Gläubigerinteressen keine Strafen ausgesprochen werden dürften. "Durch diese Entscheidung werden ganz klar Gläubiger geschädigt", meinte der Jurist, der von einer "Horrormeldung" am Montagvormittag sprach.
 

Laut Scherbaum besteht die Gefahr, dass sich Sponsoren, die die 20-prozentige Zwangsausgleichsquote von rund 1,5 Mio. Euro hätten sichern sollen, zurückziehen. "Maximal fünf Prozent" dürften sich die Gläubiger in Folge erwarten.
 

Scherbaum will Punkteabzug anfechten
"Ich lasse mir diesen Punkteabzug auf keinen Fall gefallen. Wir werden ihn sowohl vor der Bundesliga als auch vor einem ordentlichen Gericht anfechten", meinte Scherbaum. Aus Zeitnot sollen die beiden Verfahren parallel geführt werden.
 

Sorgen über ein vorzeitiges Meisterschaftsende für den GAK teilte Scherbaum nicht. Den Profi-Betrieb einzustellen sei "derzeit kein Thema". Unverständnis zeigte der Jurist auch für die "fehlende Begründung" des Urteils durch die Bundesliga.
 

Mit GAK-Verantwortlichen sei von Seiten der Liga vor der Urteilsverkündigung kein Wort gesprochen worden.
 

Punkteabzug ruiniert den Fußball
Laut Sturm-Präsident Rinner ruiniert ein Punkteabzug in diesem Ausmaß - "auch für den GAK" - den Fußball. Man werde prüfen, ob das rechtlich begründet sei.
 

Wenn von Sturm für die kommende Saison eine Bankgarantie als Voraussetzung zur Lizenzerteilung verlangt werde, dann müsse das für alle Vereine gelten, so Rinner und der Finanzvorstand des Klubs, Christian Jauk.
 

Die Präsidentenkonferenz der Bundesliga-Klubs habe sich geeinigt, die Lizenzierungsrichtlinien ab der Saison 2008/09 zu verschärfen. Hätten die vorherigen Auflagen etwas getaugt, hätten demnach ja Sturm und GAK keine Lizenzen erhalten dürfen. Man könne die Vereine aber nicht im Nachhinein bestrafen.
 

Rinner befürchtet Todesstoß für GAK
"Das verzerrt die Meisterschaft völlig", so Rinner, der auch die Frage in den Raum stellte, ob es eine "Lex Graz" gebe, die die Vereine in der Meisterschaft an die letzte Stelle setze und dem GAK - der in Verhandlungen mit Investoren stehe - den Todesstoß versetze.
 

"Am besten wäre es", wenn man um das Wiener Praterstadion fünf Plätze baue und eine eigene Meisterschaft mache, "dann kann der Senat 5 gleich leichter alles prüfen", meinte ein sehr emotionaler Sturm-Präsident.
 

Sturm sei "mit Rechtssicherheit" entschuldet, sagte Rinner. Er verstehe, dass man dem Verein nun auf die Finger schaue, und man hätte für die kommende Saison auch ohne Punkteabzug die verlangten Bankgarantien beigebracht.
 

Klares Signal für den Neuanfang
Allerdings werde man für etwas bestraft, was bereits abgeschlossen sei. Sturm habe mit der Entschuldung und dem Zwangsausgleich ein klares Signal für den Neuanfang gegeben, kein einziger der alten Vorstände sei mehr in der Vereinsführung.
 

Für die laufende Saison gebe es ja sogar schon die von der Bundesliga geforderte Bankgarantie, das sei die erlegte Fortführungskaution aus dem Konkursverfahren. Von einem Sponsor wie Puntigamer eine Bankgarantie zu verlangen, sei eine Verhöhnung von dessen Bonität.
 

"Das interessiert doch keinen Fan mehr"
"Man kann schon diskutieren, wie Sturm und GAK zu ihren Lizenzen für die laufende Saison gekommen sind, aber das sollte dann erst Konsequenzen in Form von Auflagen für die nächste Saison haben. Stellen Sie sich vor, nach zwei Dritteln der Meisterschaft hat der Letzte einen Punktestand von minus eins, das interessiert doch keinen Fan mehr", so Rinner.
 

Er könne es sich einfach machen und sagen: "Vorletzter, passt, alles gelaufen, den GAK trifft's. Aber minus 22 Punkte für den GAK, das schmerzt auch mich. Wer so handeln würde, hat das Thema Fußball nicht verstanden."
 

Jauk befürchtet Zuschauerschwund
Wirtschaftliche Folgen für alle Vereine sah Sturm-Finanzvorstand Jauk: "Da ist keine Spannung mehr in der Meisterschaft, also werden auch weniger Zuseher zu den Spielen kommen". Alleine wenn die Derbys in der kommenden Saison ausfallen würden, ergebe das ein Minus von rund 200.000 Euro, die man anderswo auftreiben müsste, so Jauk.