Alle rechtlichen Mittel sollen nun ausgeschöpft werden, neben dem
Einspruch beim Protestkomitee wird auch der Gang vor ein
ordentliches Gericht angestrebt.
Nicht nachvollziehbar
Hans Rinner, der Präsident des gerade durch einen Zwangsausgleich
geretteten Puntigamer Sturm Graz, bezeichnete die Entscheidung des
Senats 5 der Bundesliga, Sturm in der laufenden Meisterschaft zehn
Punkte abzuziehen, als "unfassbar und nicht nachvollziehbar".
Er frage sich, so Rinner in einer eilig einberufenen
Pressekonferenz Montagnachmittag in Graz, ob hier nicht Willkür
vorliege.
"Jahrelange Aufbauarbeit zerstört"
"Das war eine Hiobsbotschaft, ich bin sprachlos und kann dazu nichts
sagen", meinte GAK-Präsident Stephan Sticher in einer ersten
Reaktion. "Unsere jahrelange Aufbauarbeit ist damit zerstört
worden."
Neben dem Punkteabzug habe man von der Bundesliga auch die
Auflage bekommen, für sämtliche Einnahmen eine Bankgarantie zu
hinterlegen.
"Mein Ziel ist es, dass wir bis 19. April (Zwangsausgleichstagung,
Anm.) die 22 Punkte wieder zurückhaben", gab sich Sticher
kämpferisch, auch wenn er betonte: "Wenn bis dahin keine
Entscheidung fällt, planen wir unser Budget erst einmal für die Red
Zac Erste Liga."
Gläubiger werden geschädigt
Fakt ist laut Masseverwalter Scherbaum, dass in einem laufenden
Konkursverfahren aus Gläubigerinteressen keine Strafen ausgesprochen
werden dürften. "Durch diese Entscheidung werden ganz klar Gläubiger
geschädigt", meinte der Jurist, der von einer "Horrormeldung" am
Montagvormittag sprach.
Laut Scherbaum besteht die Gefahr, dass sich Sponsoren, die die
20-prozentige Zwangsausgleichsquote von rund 1,5 Mio. Euro hätten
sichern sollen, zurückziehen. "Maximal fünf Prozent" dürften sich
die Gläubiger in Folge erwarten.
Scherbaum will Punkteabzug anfechten
"Ich lasse mir diesen Punkteabzug auf keinen Fall gefallen. Wir
werden ihn sowohl vor der Bundesliga als auch vor einem ordentlichen
Gericht anfechten", meinte Scherbaum. Aus Zeitnot sollen die beiden
Verfahren parallel geführt werden.
Sorgen über ein vorzeitiges Meisterschaftsende für den GAK teilte
Scherbaum nicht. Den Profi-Betrieb einzustellen sei "derzeit kein
Thema". Unverständnis zeigte der Jurist auch für die "fehlende
Begründung" des Urteils durch die Bundesliga.
Mit GAK-Verantwortlichen sei von Seiten der Liga vor der
Urteilsverkündigung kein Wort gesprochen worden.
Punkteabzug ruiniert den Fußball
Laut Sturm-Präsident Rinner ruiniert ein Punkteabzug in diesem
Ausmaß - "auch für den GAK" - den Fußball. Man werde prüfen, ob das
rechtlich begründet sei.
Wenn von Sturm für die kommende Saison eine Bankgarantie als
Voraussetzung zur Lizenzerteilung verlangt werde, dann müsse das für
alle Vereine gelten, so Rinner und der Finanzvorstand des Klubs,
Christian Jauk.
Die Präsidentenkonferenz der Bundesliga-Klubs habe sich geeinigt,
die Lizenzierungsrichtlinien ab der Saison 2008/09 zu verschärfen.
Hätten die vorherigen Auflagen etwas getaugt, hätten demnach ja
Sturm und GAK keine Lizenzen erhalten dürfen. Man könne die Vereine
aber nicht im Nachhinein bestrafen.
Rinner befürchtet Todesstoß für GAK
"Das verzerrt die Meisterschaft völlig", so Rinner, der auch die
Frage in den Raum stellte, ob es eine "Lex Graz" gebe, die die
Vereine in der Meisterschaft an die letzte Stelle setze und dem GAK
- der in Verhandlungen mit Investoren stehe - den Todesstoß
versetze.
"Am besten wäre es", wenn man um das Wiener Praterstadion fünf
Plätze baue und eine eigene Meisterschaft mache, "dann kann der
Senat 5 gleich leichter alles prüfen", meinte ein sehr emotionaler
Sturm-Präsident.
Sturm sei "mit Rechtssicherheit" entschuldet, sagte Rinner. Er
verstehe, dass man dem Verein nun auf die Finger schaue, und man
hätte für die kommende Saison auch ohne Punkteabzug die verlangten
Bankgarantien beigebracht.
Klares Signal für den Neuanfang
Allerdings werde man für etwas bestraft, was bereits abgeschlossen
sei. Sturm habe mit der Entschuldung und dem Zwangsausgleich ein
klares Signal für den Neuanfang gegeben, kein einziger der alten
Vorstände sei mehr in der Vereinsführung.
Für die laufende Saison gebe es ja sogar schon die von der
Bundesliga geforderte Bankgarantie, das sei die erlegte
Fortführungskaution aus dem Konkursverfahren. Von einem Sponsor wie
Puntigamer eine Bankgarantie zu verlangen, sei eine Verhöhnung von
dessen Bonität.
"Das interessiert doch keinen Fan mehr"
"Man kann schon diskutieren, wie Sturm und GAK zu ihren Lizenzen für
die laufende Saison gekommen sind, aber das sollte dann erst
Konsequenzen in Form von Auflagen für die nächste Saison haben.
Stellen Sie sich vor, nach zwei Dritteln der Meisterschaft hat der
Letzte einen Punktestand von minus eins, das interessiert doch
keinen Fan mehr", so Rinner.
Er könne es sich einfach machen und sagen: "Vorletzter, passt,
alles gelaufen, den GAK trifft's. Aber minus 22 Punkte für den GAK,
das schmerzt auch mich. Wer so handeln würde, hat das Thema Fußball
nicht verstanden."
Jauk befürchtet Zuschauerschwund
Wirtschaftliche Folgen für alle Vereine sah Sturm-Finanzvorstand
Jauk: "Da ist keine Spannung mehr in der Meisterschaft, also werden
auch weniger Zuseher zu den Spielen kommen". Alleine wenn die Derbys
in der kommenden Saison ausfallen würden, ergebe das ein Minus von
rund 200.000 Euro, die man anderswo auftreiben müsste, so Jauk.