MEDIENARCHIV 24.10.06

 
24.10.2006 15:11
60 Gläubiger: Flammender Appell vor Endspiel des SK Sturm
Der Masseverwalter als Visionär: Norbert Scherbaum glaubt an den SK Sturm - doch Fans und Finanziers entscheiden das Finale.
Der Masseverwalter: Norbert Scherbaum   Foto: GEPA
Norbert Scherbaum heißt der Mann, auf dem plötzlich alle Hoffnung der Fußballwelt ruht. Scherbaum ist Masseverwalter im Insolvenzverfahren des SK Sturm. Seit gestern ist er der, der beim zahlungsunfähigen Grazer Fußball-Erstligisten das Sagen hat. Im Morgengrauen, um 7.30 Uhr früh, überbrachte der neue Anwalt des SK Sturm, Georg Muhri, dem Konkursgericht den Insolvenzantrag. Die Tage und Nächte zuvor hatte Muhri mit der Sturm-Führung durchgeackert, ein dickes Konvolut zusammen getragen, um nachzuweisen, dass es Sinn macht, den Spielbetrieb fortzuführen, und dass es dem Verein möglich sein wird, die Kaution dafür, 750.000 Euro, zu hinterlegen.

  "Herbstsaison beenden". Mit Erfolg. Noch Montag nachmittag sagte Scherbaum, von Konkursrichter Elmar Schneider mit der Verwaltung der Masse beauftragt, zur Kleinen Zeitung: "Ich gehe davon aus, dass wir das Unternehmen Sturm weiterführen, bis zum Ende der Herbstsaison. Das liegt auch im Interesse der Gläubiger, sonst wären die Spieler von einem Tag auf den anderen frei und die Transferrechte nichts mehr wert".

  60 Gläubiger. Scherbaum ist ein Mann, der normalerweise im Hintergrund wirkt. Ebenso wie seine Gegenüber im Verfahren, Anwalt Muhri und Wolfgang Peschorn, Präsident der Finanzprokurator und Vertreter des Hauptgläubigers des SK Sturm. Alle drei sind sie ausgewiesene Experten auf dem Gebiet des Insolvenzrechtes. "Jetzt sitzen lauter Profis am Tisch", formuliert es Peschorn. "Und jetzt besteht die Hoffnung, dass die Dinge so geordnet und abgewickelt werden, dass das auch dem Interesse der Gläubiger entspricht". 60 sind es an der Zahl, die Finanz ist der größte. Ihr Votum wird ausschlaggebend dafür sein, ob der Antrag auf Zwangsausgleich angenommen wird.

Lebensbedrohlich erkrankt. Rein rechtlich sind alle Vorbereitungen dafür getroffen, aus dem lebensbedrohlich erkrankten Aushängeschild des steirischen Fußballsports noch einen Genesenden zu machen. Aber es fehlt noch an der nötigen Injektion - am Geld, das den Neubeginn erst möglich macht. 750.000 Euro sind es fürs Erste: Das ist die Kaution, die zu hinterlegen ist, um sicherzustellen, dass zum vorhandenen Schuldenberg - 8,6 Millionen Euro - nicht neue Verbindlichkeiten angehäuft werden.

 
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Jetzt helfen. Damit ist die erste Halbzeit gewonnen. Mindestens 2,2 bis 2,5 Millionen Euro kommen für die zweite Halbzeit dazu - das ist die Summe, die notwendig ist, um 20 Prozent der Schulden abzudecken und damit die Entschuldung über den Zwangsausgleich zu finanzieren. "Jetzt ist es wichtig, dass die Fans in Massen ins Stadion kommen", sagt Scherbaum. "Und bei den Investoren wird sich jetzt die Spreu vom Weizen trennen. Wer Geld auf den Tisch liegen will, findet klare Verhältnisse vor". Er sei der Masseverwalter, er führe die Geschäfte, mit ihm seien die Vereinbarungen zu treffen. "Auch wenn Investoren ihr Engagement mit der Forderung verbinden, dass sich Hannes Kartnig von der Vereinsführung verabschiedet, ist das, wie er mir selbst gesagt hat, kein Problem".

Stunde der Wahrheit. Ob es diese Investoren nun tatsächlich gibt, wird sich noch diese Woche herausstellen - es naht damit die Stunde der Wahrheit für den SK Sturm. Hinter den Kulissen wurde von der Mannschaft rund um Kartnig-Vize Claudius Handl und Wirtschaftsberater Hadl darum gerungen, potenzielle Geldgeber an einen Tisch zu bringen und letzte Bedenken zu überwinden. Gewonnen ist dieser Kampf noch nicht, aber, wie es ein ehemaliger Bundeskanzler formuliert hätte: "Die Chancen sind intakt". Scherbaums Appell: "Wer den Verein unterstützen will, muss es jetzt tun, sonst ist es zu spät".
CLAUDIA GIGLER, AUGUST KUHN

Quelle: Kleinezeitung.at