| Sturm Graz beim 0:2 in
Valencia ohne Chance! |
| Mittwoch, 22.
November 2000 |
| In Valencia gibt es für
österreichische Fußballer nichts zu holen. Im
Mestalla-Stadion, wo das Nationalteam im März des
Vorjahres in ein 0:9 geschlittert war, musste sich am
Dienstag auch SK Puntigamer Sturm Graz zum Auftakt der
Gruppe A der UEFA Champions League Zwischenrunde
erwartungsgemäß dem CF Valencia geschlagen geben.
Unmittelbar vor und nach der Pause schlugen Carew (45.)
und Juan Sanchez (47.) jeweils nach Mendieta-Eckball per
Kopf zu. Sturm verlor beim Vorjahresfinalisten, der im
Europacup seit acht Jahren im eigenen Stadion
ungeschlagen ist, verdient mit 0:2 (0:1) und hofft nun
am 6. Dezember in Graz gegen Manchester United auf die
Heimstärke. |
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Nach der sensationellen Vorrunde zog sich
Sturm auch in Valencia zumindest bis zur Pause gut aus der Affäre. Bis
zur 45. Minute hielten die Grazer ein 0:0, doch eine Unachtsamkeit
ermöglichte dem Spitzenreiter der Primera Division die Führung. Bei
einem Eckball von Mendieta hatte Schopp den Hünen Carew aus den Augen
verloren, der 1,95 m große Norweger köpfelte aus kurzer Distanz zum 1:0
ein. Torhüter Sidorczuk war zwar noch am Ball, konnte ihn aber nur noch
an die Innenstange lenken. Es war
fast eine "logische" Führung. Valencia setzte Sturm von Beginn weg unter
Druck, kam gegen die disziplinierte, defensiv gut eingestellte Osim-Elf
aber zunächst kaum zu herausgespielten Chancen. Bei Standardsituationen
bewahrheitete sich aber, was Trainer Ivica Osim befürchtet hatte. Carew
(1,95 m), der wegen des Ausfalls von Popovic (Oberschenkelverhärtung)
von Prilasnig gedeckt wurde, und Pellegrino (1,93) waren die Herren der
Lüfte, kamen fast nach Belieben zum Kopfball.
Und auch Juan Sanchez profitierte von der
Kopfballschwäche der Grazer. Kurz nach Wiederanpfiff verwertete der
kleine Stürmer einen weiteren Mendieta-Eckball zur Vorentscheidung
(47.). Schon in der vierten Minute hatte Björklund nach Mendieta-Corner
und Carew-Verlängerung die große Chance zur schnellen Führung, doch
Sidorczuk parierte. Abgesehen von einem Baraja-Schuss (29.), der an der
Stange vorbei strich, taten sich die Spanier aber lange schwer.
Schon im Mittelfeld versuchten Schupp und
Co, die Angriffsbemühungen zu stoppen, ließen den Spaniern nur wenig
Raum. Nach vorne allerdings gelang wenig. Vastic, der nach seiner langen
Verletzungspause von der Hochform noch weit entfernt ist, und Kocijan
konnten sich gegen die robuste Verteidigung kaum durchsetzen. Ein Schuss
von Kocijan ging daneben (16.), die schönste Aktion der Grazer in der
ersten Hälfte schloss Vastic mit einem Schuss direkt in die Hände von
Torhüter Canizares ab (43.). Nach
der Pause verstärkten die Grazer zunächst die Angriffs-Bemühungen, in
der 54. und 57. Minute tauchten Vastic und Kocijan gefährlich vor
Canizares auf. Doch es war nur ein kurzes Aufflackern des
Offensivpotenzials. Im Gegenteil. Valencia hatte nun mehr Platz für die
eigenen Angriffe und drückte aufs Tempo. Den "Blackies" stand aber das
Glück zur Seite. Kily Gonzales traf nur die Stange (64.), Carew brachte
das Kunststück zuwege, freistehend aus vier Metern den Ball über das Tor
zu heben. Und auch Sidorczuk konnte sich einige Male auszeichnen.
Den Ehrentreffer verhinderte Canizares in
der 91. Minute bei einem Vastic-Freistoß, den Abpraller konnten die
Grazer nicht nützen. „Das nächste
Spiel am 6. Dezember in Graz gegen Manchester United wird ganz anders“,
betonte daher auch Ivica Osim nach der auch für ihn enttäuschenden
Vorstellung seiner Mannschaft. „Valencia hat gut gespielt, das Ergebnis
ist korrekt, man muss eben Realist sein“, meinte der Sturm-Trainer.
Seine Elf zeigte jedenfalls quasi als Fortsetzungsroman wieder im ersten
Spiel einer neuen Phase die alten Schwächen. „Es ist wie ein Komplex,
ich weiss, sie können es besser“, analysierte Osim in der Hoffnung, dass
seine Schützlinge wieder etwas dazugelernt hätten.
Auch wenn es gegen den Tabellenführer der
für ihn besten Liga, mit dem attraktivsten Fußball der Welt, ging, die
vielen technischen Fehler seiner Leute sind damit nicht zu erklären,
„die wurden eben bestraft“. Als Entschuldigung wäre anzuführen, dass
wichtige Leute, „die einen Körper haben“ wie Popovic (der die die Anzahl
der Zwerge in der Sturm-Abwehr vor allem bei Standardsituationen gegen
die Valencia-Riesen reduziert hätte), Fleurquin und Juran gefehlt
hätten, andere wie vor allem auch Ivica Vastic nach ihren Verletzungen
noch nicht ihre mögliche Leistung brachten.
„Obendrein sind wir früher eine Mannschaft
gewesen, jetzt wollen viele zu oft einzeln glänzen“, kritisiert Osim
seine Schützlinge, denen er zumindest nach außen hin kaum zutraut, die
Zwischenrunde zu überstehen. „Man muss die Hierarchie respektieren und
da sind halt Manchester und Valencia vor uns“, so der Trainer-Guru,
dessen diesbezügliche Feststellung („Normalerweise sind wir schon out“)
von seinem Gegenüber Hector Cuper nicht goutiert wird. Dieser hob die
Steigerung seiner Mannschaft gegenüber Spielen in jüngerer Zeit vor
allem nach der Pause hervor: „Das bessere Spiel nur auf die Schwäche von
Sturm zurückzuführen, würde die Verdienste der eigenen Mannschaft
schmälern.“ Kapitän Gaizka Mendieta freute sich wie seine Mitstreiter
über das „gute Spiel, das wir gemacht und viele Torchancen, die wir
gehabt haben. Wir wussten, wenn wir taktisch gut spielen und die
Positionen einhalten, würde der Sieg früher oder später kommen“. Sturm
spielte wie erwartet, „sie kamen gut in unsere Hälfte, aber wir haben
sie spielerisch kontrolliert.“ Abwehrrecke Djukic warnte davor, die
Grazer nach dieser Leistung im weiteren Verlauf zu unterschätzen. Daheim
werden sie sich weit stärker präsentieren“, so der Jugoslawe.
Osim erklärte die beiden Kopfballtore nach
Mendieta-Ecken unmittelbar vor und nach der Pause als welche, die man
nicht bekommen dürfe, dafür hätten es aber andere sein können. Gegen den
schnellen, technisch starken und trotz seiner Größe recht beweglichen
Carew, der praktisch alle Duelle gewann, hätte seine Mannschaft eben
keine Gegenwaffe gefunden. „Es war eines meiner besten Spiele. Wenn wir
weiterhin so spielen, können wir in der Champions League sehr weit
kommen“, erklärte der Norsker.
Markus Schopp, der bei Eckbällen Carew hätten decken sollen, war beim
0:1 nicht im Bilde, was „er auch auf seine Kappe nahm“. Ansonsten mühte
sich Prilasnig, manchmal auch unterstützt von Kollegen, mit dem
norwegischen Hünen ab. Sidorczuk, der den Kopfball an die Stange lenkte,
von wo er ins Tor ging, machte wiederum Mamedow Vorwürfe, denn dieser
hatte seine Position in dieser Ecke aufgegeben. Wer, wem die Schuld beim
0:2 durch den kleinen Sanchez gab, war hingegen nicht zu eruiren, da
schliefen wohl mehrere. Trotz der einen oder anderen guten Chance, bei
denen vor allem Vastic seinem Ruf nicht gerecht wurde, bleibt unter dem
Strich, was der vorne meist allein gelassen Tomislav Kocijan so
formulierte: „Wir waren einfach nicht gut genug
und auswärts wieder ein Mal
auch nicht mutig.“
Quelle:
bundesliga.at
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