Noch Anfang 2001 scheffelten die Grazer mit dem Einzug in die damalige
Zwischenrunde der Champions League Millionen, nun kämpfen sie um
ihre Existenz.
Chronologie des "Wellentals":
2. Dezember 1992: Hannes Kartnig übernimmt das
Präsidentenamt von Karl Temel. Sein Vertrauter Heinz Schilcher,
selbst ehemaliger Sturm-Spieler, wird zum neuen Manager ernannt. Die
Grazer, die im Frühjahr im Mittleren Play-off um den Klassenerhalt
spielen, müssen bis Ende 1992 rund drei Millionen Schilling für
Spielergehälter, Zinsen und Leihgebühren auftreiben.
14. Juni 1993: Die Grazer schaffen die Qualifikation für
die neu geschaffene Zehnerliga, Milan Djuricic (jetzt Pasching) wird
als neuer Trainer präsentiert.
25. Juni 1994: Der ehemalige jugoslawische Teamchef Ivica
Osim unterschreibt einen Zweijahresvertrag. Sturm beendet die Saison
hinter Salzburg als Vizemeister, mit der erst im Spieljahr 1994/95
eingeführten Dreipunkteregel wäre Sturm sogar Meister geworden.
Juni 1996: Sturm wird neuerlich Vizemeister, erstmals
Cup-Sieger sowie Supercup-Sieger. Osim verlängert seinen Vertrag bis
Juni 1999. Der italienische Star Giuseppe Giannini wird
verpflichtet, im April 1997 wird der Vertrag jedoch einvernehmlich
aufgelöst.
13. April 1998: Die Grazer küren sich vorzeitig und zum
ersten Mal in der Klubgeschichte zum österreichischen Meister.
Schließlich beträgt der Vorsprung auf Rapid Wien 19 Punkte, 81
Zähler in einer Saison sind bis dato österreichischer Rekord. Sturm
zieht gegen Ujpest Budapest in die Gruppenphase der Champions League
ein, wo man nur einen Punkt gegen Spartak Moskau holt.
Juni 1999: Sturm verteidigt den Meistertitel, holt mit
Cup- und Supercup-Sieg das Tripel. Im Dezember abermalige
Qualifikation gegen Servette Genf für die CL-Gruppenphase, dritter
Platz in der Gruppe - Kartnig: "Wir haben 100 Millionen Schilling
auf der Kante."
Juni 2000 bis Juni 2001: Vizemeistertitel hinter Tirol,
danach Qualifikation gegen Feyenoord Rotterdam für die Champions
League. Dort Gruppensieger vor Galatasaray Istanbul, Glasgow Rangers
und AS Monaco. In Folge Dritter der Zwischenrunde dank zweier Siege
gegen Panathinaikos Athen.
180 Mio. Schilling spielt Sturm in der CL allein 2000/01 ein, in
drei Jahren werden insgesamt rund 330 Mio. Schilling lukriert.
In der Meisterschaft verpassen die Schwarz-Weißen als Vierte
jedoch die Qualifikation für einen internationalen Bewerb. Kartnig:
"Ich baue die Mannschaft so auf, dass wir in der nächsten Saison
wieder Meister werden. Dann machen wir einen Durchmarsch."
28. August 2002: Nach dem Vizemeistertitel scheitert man
in der CL-Qualifikation an Maccabi Haifa. Zwei Wochen später erklärt
Erfolgstrainer Osim seinen Rücktritt.
26. April 2004: Sturm muss 300.000 Euro Lohnsteuer
nachzahlen; zunächst hatten die Steirer einen Bescheid erhalten,
laut dem sie 4,2 Mio. Euro nachzahlen hätten müssen. Ein
erleichterter Kartnig: "Das wäre unser Aus gewesen. Aber jetzt ist
dieses Problem aus der Welt."
14. April 2005: Sturm verkauft den Pachtvertrag für sein
früheres Stadion, die legendäre "Gruabn", um 1,5 Mio. Euro an die
Stadt Graz - Kartnig: "Wir brauchen das Geld, um diese Saison
auszufinanzieren, das streite ich gar nicht ab."
8. November 2005: Bei der Generalversammlung wird bekannt,
dass Sturm rund 5,7 Mio. Euro Verbindlichkeiten hat. Davon sind zwei
Mio. Euro bis Sommer 2006 fällig. Vizepräsident Carlo Platzer zieht
Stunden vor der Sitzung seine Kandidatur als Nachfolger von
Präsident Kartnig zurück. Kartnig, der eigentlich seinen
"definitiven Rücktritt" als Klubchef angekündigt hatte, bleibt im
Amt.
19. April 2006: Die Grazer Polizei berichtet von einer
Verstrickung von Trainer Michael Petrovic und Mittelfeldspieler
Bojan Filipovic in den deutschen Wettskandal. Hausdurchsuchungen
werden bei den beiden Verdächtigen durchgeführt, allerdings sind bis
heute keine konkreten Beweise vorgelegt worden.
Frühjahr 2006: Nachdem die Lizenz für die Saison 2006/07
in erster Instanz verweigert wurde, wird diese in zweiter Instanz
nach einer Haftungserklärung durch die steirische Landesregierung
doch noch erteilt, wenn auch Sturm die Saison mit drei Minuspunkten
beginnen muss.
Mai 2006: Nach einer anonymen Anzeige werden in Kartnigs
Haus, dem Vereinsbüro von Sturm und Kartnigs Firma "Perspektiven"
Hausdurchsuchungen durchgeführt.
Juli 2006: Ex-Trainer Osim will zunächst wegen
ausstehender Zahlungen Konkursantrag gegen Sturm Graz stellen,
verzichtet dann aber. Insgesamt schuldet Sturm Osim inklusive Zinsen
245.000 Euro, eine Ratenzahlung wird vereinbart.
28. Juli: Eine Spendenaktion "Helft Sturm Graz" wird aus
der Taufe gehoben. Die Aktion läuft bis 31. August und bringt rund
50.000 Euro ein.
1. September: Das Finanzamt fordert von Sturm 1,2
Millionen Euro und lehnt eine von Kartnig vorgeschlagene
Ratenzahlung von 20.000 Euro pro Monat ab. Der Sturm-Präsident
bittet das Finanzamt um Nachsicht.
22. Oktober: Kartnig kündigt an, am nächsten Tag den Konkursantrag einzubringen und hofft auf einen Zwangsausgleich bzw. eine Fortsetzung des Spielbetriebs.
