MEDIENARCHIV 19.10.06

 

Traditionsklub kämpft um Existenz

Die Außenstände an das Finanzamt sollen sich auf rund 1,2 Mio. Euro belaufen.
Der Freitag wird ein Lostag für den SK Puntigamer Sturm Graz. Wenn es bis zum Nachmittag nicht gelingt, beim Handelsgericht in Graz eine Lösung für die vereinbarten, aber dann nicht erfolgten Ratenzahlungen an die Finanz zu finden, droht dem Traditionsverein am Montag der Konkurs.
 

Klubpräsident Hannes Kartnig war bis zuletzt am Verhandeln (auch in Wien) bzw. auf der Suche nach möglichen Geldgebern.
 

Freitag um 15.30 Uhr ist Schluss
Am Freitag um 15.30 Uhr ende die Frist, wenn die Einlaufstelle schließe, so Richter Elmar Schneider vom Handelsgericht zur APA. Wenn bis dahin nichts passiere, werde wahrscheinlich das Konkursverfahren auf Antrag der Finanzprokuratur Wien eröffnet.
 

Die Außenstände an das Finanzamt sollen sich auf rund 1,2 Mio. Euro belaufen. Kartnig hatte am Donnerstag mehrere Stunden mit der Finanzprokuratur Gespräche geführt, die Verhandlungen sollen am Freitag fortgesetzt werden. Mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
 

Bis zum Freitag soll es auch keinen Kommentar seitens des Vereines zur Situation geben. "Bis zum Freitag sage ich nichts", hielt der sonst wortgewaltige Präsident gegenüber der APA fest.
 

Offene Zahlungen an Ex-Spieler
Von Seiten des Vereins hatte es allerdings zuletzt geheißen, dass u. a. auch die Forderungen des georgischen Ex-Spielers David Mujiri - Versicherungsprämien, Abfertigung und Kündigungsgeld - ein Loch in die Finanzplanung gerissen hatten.
 

Dazu waren auch die Zahlungen an den ehemaligen Trainer Ivica Osim gekommen. Laut der Zeitung "Kurier" gibt es auch offene Forderungen der Ex-Spieler Charles Amoah und Ivica Vastic.
 

Fortbestand unklar
Sollte Sturm eine Zahlung nicht schaffen oder die Behörden sich nicht auf eine Stundung o. Ä. einlassen, übernimmt ein Masseverwalter das Zepter bei den "Blackies". Dann hätte Sturm die Möglichkeit eines Zwangsausgleichs, dem aber die Mehrheit der Gläubiger zustimmen muss.
 

Ob überhaupt genügend Masse für eine Fortführung bzw. für einen Ausgleich da ist, muss vom Masseverwalter geprüft werden.
 

Nur Haftung, keine Förderung
Ursprünglich hatte man bei Sturm darauf gehofft, die Budgetlöcher durch einen Vorgriff auf künftige Förderungen stopfen zu können. Der entsprechende Beschluss der steirischen Landesregierung sah aber nur Haftungsübernahmen statt direkter Förderungen vor, die noch dazu an diverse Auflagen gebunden sind.
 

Beim Lokalrivalen GAK wollte der Verein mit diesen Bürgschaften durch das Land Kredite aufnehmen. Das dürfte Sturm auf Grund der unklaren Finanzsituation nicht möglich gewesen sein.
 

Sieben Millionen Euro Schulden?
Medien hatten von rund sieben Mio. Euro Schulden berichtet, die von Klubchef Kartnig allerdings immer vehement dementiert worden waren.
 

Land haftet nicht
Die steirische Landesregierung hat sich jedenfalls gegen kurzfristige Insolvenzen abgesichert. Sollte Sturm binnen eines Jahres Konkurs anmelden, würde das Land für etwaige Kredite nicht haften.