"Das Finanzamt steigt momentan nicht auf unsere Vorschläge ein",
verriet Kartnig, der am Samstag eine Vorstandssitzung abgehalten
hatte und bis zum Schluss um die Eigenständigkeit von Puntigamer
Sturm kämpfen will.
Schuldentilgung auf Raten?
"Das Finanzamt soll uns eine Chance geben. Ich bitte die hohen
Finanzbeamten, Sturm nicht sterben zu lassen", appellierte Kartnig,
der eine Abzahlung des offiziell 1,2 Millionen großen Schuldenberges
in Raten vorschlägt.
Sollte es bis Freitag allerdings zu keiner Lösung kommen, dürfte
über den Klub der Konkurs eröffnet werden. Der dann eingesetzte
Masseverwalter würde darüber entscheiden, ob und in welcher Form der
Klub noch weiterzuführen ist.
Leitgeb-Transfer als Rettung?
Als mögliche Option zur Schuldenreduzierung ist der Verkauf des
21-jährigen ÖFB-Nationalspielers Christoph Leitgeb ein Thema.
"Das Interesse an Leitgeb ist groß", bestätigte Kartnig, der laut
eigenen Angaben von vier deutschen Mannschaften, einer italienischen
und einer schottischen Spitzenmannschaft - wahrscheinlich den
Glasgow Rangers - Anfragen für den Offensivspieler vorliegen hat.
"Ein verdienter Sieg"
Zum 2:0 gegen Rapid meinte Kartnig: "Heute waren wir klar besser.
Das war ein verdienter Sieg, der auch höher hätte ausfallen können.
Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie trotz aller Schwierigkeiten im
Verein mental sehr stark ist."
Trainer Franco Foda, der mit seiner Mannschaft mit drei
Minuspunkten in die Saison gestartet war und mittlerweile bei 14
Zählern hält, hatte seine Truppe offensichtlich mit der richtigen
Taktik aufs Spielfeld geschickt. "Wir haben von Anfang an aggressiv
gespielt, denn wir haben gewusst, dass auch Rapid so agieren wird.
Meine Mannschaft hat gut kombiniert", war der Deutsche voll des
Lobes.
Enttäuscht war hingegen Peter Pacult, der seine erste Niederlage
als Rapid-Coah erlitt. "Ein verdienter Sieg für Sturm. Wir haben in
der ersten Hälfte zu wenig getan. Es war eine nicht erwartete
Niederlage. Meiner Mannschaft haben Laufbereitschaft und
Aggressivität gefehlt."
Siegloses Auswärtsjahr
Das Spiel in der UPC-Arena brachte dem finanziell entlang des
Abgrundes wandelnden Grazer Traditionsverein einen Vorstoß vom
letzten auf den fünften Tabellenplatz ein und besiegelte auch ein
siegloses Auswärtsjahr für den österreichischen Rekordmeister.
Die Hütteldorfer warten weiter auf den ersten vollen Erfolg in
der Fremde seit dem 2:0 gegen die Austria im Wiener Derby am 22.
Oktober 2005 im Horr-Stadion.
Krawalle im und ums Stadion
Für die negativen Höhepunkte sorgten Teile der zahlreichen
mitgereisten Rapid-Anhänger sowie einige Sturm-Fans, die vor,
während und nach der Partie randalierten.
Die Randalierer gingen mit Eisenstangen, Steinen, Holzlatten und
Verkehrstafeln aufeinander los. Die Polizei musste mit einem
Großaufgebot einschreiten.
In der Halbzeit des Spieles drangen Rapid-Anhänger in den
Spielfeldbereich ein und attackierten Sturm-Fans auf der Tribüne mit
einer Leiter. Nach dem Match wurde der Weg vom Stadion zum
Ostbahnhof, wo ein Sonderzug auf die Rapid-Anhänger wartete, von den
Fans kurzerhand zum Schlachtfeld erklärt.
Fünf Polizisten erlitten leichte Verletzungen, ein
Polizeifahrzeug wurde beschädigt. Ein Wiener wurde mit einer
Stichwunde ins Krankenhaus eingeliefert. Die Polizei war mit über
200 Mann im Einsatz und nahm insgesamt 17 Randalierer fest. Dutzende
wurden angezeigt.
Bundesliga will Nachspiel
Die gewaltsamen Zwischenfälle im und ums Stadion werden laut
Bundesliga-Aussendung vom Montagvormittag ein Nachspiel haben.
"Es ist die Pflicht der Gremien der Bundesliga, die
entsprechenden Maßnahmen zu setzen bzw. die Beteiligten zur
Verantwortung zu ziehen. Wir dürfen nicht zögern, auch
Stadionverbote auszusprechen", stellte Bundesliga-Vorstand Georg
Pangl klar.
Von einem Verfahren beim Senat 1 (Strafsenat) sei auszugehen.
"Wir können aber nur jene Vorfälle ahnden, die innerhalb des
Stadions passiert sind. Alle Geschehnisse außerhalb sind Sache der
Behörden."
Manfred Komericky, Kommandant der Kobra Graz und bei der als Risikospiel eingestuften Partie technischer Delegierter der Bundesliga, berichtete dazu: "Innerhalb des Stadions hat es nur einen Vorfall gegeben. Erst im Bereich rund um den Ostbahnhof war ein Einschreiten der Polizei notwendig."
