MEDIENARCHIV 16.10.06

 

Kartnig hofft noch

Für die negativen Höhepunkte des 2:0-Sieges von Sturm gegen Rapid sorgten randalierende Fans.
Sturm-Präsident Hannes Kartnig hat die Finanzbehörden nach dem 2:0-Heimsieg der Grazer in der T-Mobile Bundesliga gegen Rapid neuerlich um Nachsicht gebeten, um einen drohenden Konkurs bis Freitag im letzten Moment doch noch abzuwenden.
 

"Das Finanzamt steigt momentan nicht auf unsere Vorschläge ein", verriet Kartnig, der am Samstag eine Vorstandssitzung abgehalten hatte und bis zum Schluss um die Eigenständigkeit von Puntigamer Sturm kämpfen will.
 

Schuldentilgung auf Raten?
"Das Finanzamt soll uns eine Chance geben. Ich bitte die hohen Finanzbeamten, Sturm nicht sterben zu lassen", appellierte Kartnig, der eine Abzahlung des offiziell 1,2 Millionen großen Schuldenberges in Raten vorschlägt.
 

Sollte es bis Freitag allerdings zu keiner Lösung kommen, dürfte über den Klub der Konkurs eröffnet werden. Der dann eingesetzte Masseverwalter würde darüber entscheiden, ob und in welcher Form der Klub noch weiterzuführen ist.
 

Leitgeb-Transfer als Rettung?
Als mögliche Option zur Schuldenreduzierung ist der Verkauf des 21-jährigen ÖFB-Nationalspielers Christoph Leitgeb ein Thema.
 

"Das Interesse an Leitgeb ist groß", bestätigte Kartnig, der laut eigenen Angaben von vier deutschen Mannschaften, einer italienischen und einer schottischen Spitzenmannschaft - wahrscheinlich den Glasgow Rangers - Anfragen für den Offensivspieler vorliegen hat.
 

"Ein verdienter Sieg"
Zum 2:0 gegen Rapid meinte Kartnig: "Heute waren wir klar besser. Das war ein verdienter Sieg, der auch höher hätte ausfallen können. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie trotz aller Schwierigkeiten im Verein mental sehr stark ist."
 

Trainer Franco Foda, der mit seiner Mannschaft mit drei Minuspunkten in die Saison gestartet war und mittlerweile bei 14 Zählern hält, hatte seine Truppe offensichtlich mit der richtigen Taktik aufs Spielfeld geschickt. "Wir haben von Anfang an aggressiv gespielt, denn wir haben gewusst, dass auch Rapid so agieren wird. Meine Mannschaft hat gut kombiniert", war der Deutsche voll des Lobes.
 

Enttäuscht war hingegen Peter Pacult, der seine erste Niederlage als Rapid-Coah erlitt. "Ein verdienter Sieg für Sturm. Wir haben in der ersten Hälfte zu wenig getan. Es war eine nicht erwartete Niederlage. Meiner Mannschaft haben Laufbereitschaft und Aggressivität gefehlt."
 

Siegloses Auswärtsjahr
Das Spiel in der UPC-Arena brachte dem finanziell entlang des Abgrundes wandelnden Grazer Traditionsverein einen Vorstoß vom letzten auf den fünften Tabellenplatz ein und besiegelte auch ein siegloses Auswärtsjahr für den österreichischen Rekordmeister.
 

Die Hütteldorfer warten weiter auf den ersten vollen Erfolg in der Fremde seit dem 2:0 gegen die Austria im Wiener Derby am 22. Oktober 2005 im Horr-Stadion.
 

Krawalle im und ums Stadion
Für die negativen Höhepunkte sorgten Teile der zahlreichen mitgereisten Rapid-Anhänger sowie einige Sturm-Fans, die vor, während und nach der Partie randalierten.
 

Die Randalierer gingen mit Eisenstangen, Steinen, Holzlatten und Verkehrstafeln aufeinander los. Die Polizei musste mit einem Großaufgebot einschreiten.
 

In der Halbzeit des Spieles drangen Rapid-Anhänger in den Spielfeldbereich ein und attackierten Sturm-Fans auf der Tribüne mit einer Leiter. Nach dem Match wurde der Weg vom Stadion zum Ostbahnhof, wo ein Sonderzug auf die Rapid-Anhänger wartete, von den Fans kurzerhand zum Schlachtfeld erklärt.
 

Fünf Polizisten erlitten leichte Verletzungen, ein Polizeifahrzeug wurde beschädigt. Ein Wiener wurde mit einer Stichwunde ins Krankenhaus eingeliefert. Die Polizei war mit über 200 Mann im Einsatz und nahm insgesamt 17 Randalierer fest. Dutzende wurden angezeigt.
 

Bundesliga will Nachspiel
Die gewaltsamen Zwischenfälle im und ums Stadion werden laut Bundesliga-Aussendung vom Montagvormittag ein Nachspiel haben.
 

"Es ist die Pflicht der Gremien der Bundesliga, die entsprechenden Maßnahmen zu setzen bzw. die Beteiligten zur Verantwortung zu ziehen. Wir dürfen nicht zögern, auch Stadionverbote auszusprechen", stellte Bundesliga-Vorstand Georg Pangl klar.
 

Von einem Verfahren beim Senat 1 (Strafsenat) sei auszugehen. "Wir können aber nur jene Vorfälle ahnden, die innerhalb des Stadions passiert sind. Alle Geschehnisse außerhalb sind Sache der Behörden."
 

Manfred Komericky, Kommandant der Kobra Graz und bei der als Risikospiel eingestuften Partie technischer Delegierter der Bundesliga, berichtete dazu: "Innerhalb des Stadions hat es nur einen Vorfall gegeben. Erst im Bereich rund um den Ostbahnhof war ein Einschreiten der Polizei notwendig."