MEDIENARCHIV

 
Fedl will nicht mehr "Präsident" sein


Seine Präsidentschaft beim SK Sturm Graz hat nur drei Monate gedauert: Hans Fedl steht dem Grazer Fußballverein laut eigenen Angaben künftig nicht mehr als Präsident zur Verfügung. In schwierigen Zeiten übernommen
Der Transportunternehmer aus Kalsdorf hatte im Oktober als Sprecher einer Investorengruppe den zahlungsunfähig gewordenen Verein übernommen. Am Donnerstag in einer Woche bei der nächsten Jahreshauptversammlung wird Fedl aber nicht als Präsident kandidieren. "Will kein Leithammel mehr sein"
"Ich bin jetzt praktisch bei der Gruppe der Leithammel und ich hoffe, dass noch etliche gute Leute dazukommen. Ich selbst möchte aber nicht mehr", sagte Fedl am Mittwoch. Rinner könnte Fedl nachfolgen
Voraussichtlich wird der bisherige Vizepräsident Johann Rinner aus Frauental das Präsidentenamt beim SK Sturm übernehmen.

Das Sturm-Tohuwabohu

Wer übernimmt den Konkursklub?
"Tohuwabohu" kommt aus dem Hebräischen und bezeichnet heutzutage ein großes Durcheinander, hat aber laut der Bibel auch die Bedeutung "wüst und leer".
 

Leer sind die Kassen Puntigamer Strum Graz, Fehleinkäufe, Klagen und Misswirtschaft stürzten den einst reichsten Klub Österreichs in ein dunkles Loch.
 

Wüst war zeitweise die turbulente Übergangsphase im Herbst 2006, als der Grazer Langzeitpräsident "Zar" Hannes Kartnig sein Amt räumen musste und der neue Sturm-Vorstand unter Führung von Hans Fedl installiert wurde.
 

Kurze Ära
Knapp zweieinhalb Monate später hat der Transportunternehmer schon wieder genug. Am Donnerstag in einer Woche, bei der nächsten Jahreshauptversammlung, will Fedl nicht als Präsident kandidieren. "Ich möchte nicht mehr", war Fedls Kommentar - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
 

Kaution und Kartnig-Abschied
Die Investorengruppe rund um Fedl hatte noch im November eine Weiterführungskaution in Höhe von 750.000 Euro hinterlegt, um den Spielbetrieb des Grazer Traditionsklubs aufrechtzuhalten. Bedingung war aber auch der Abschied von Kartnig als Vereinspräsident.
 

Dieser trennte sich schließlich, nach anfänglichem Zögern, mit Tränen in den Augen und dem "schwersten Gang" seiner Karriere doch noch von Sturm.
 

Fass ohne Boden
Dasselbe plant jetzt auch Kurzzeit-Boss Fedl. Der Grund dafür dürfte auf der Hand liegen. Die Schulden von rund elf Millionen Euro hängen wie ein Damoklesschwert über der Existenz der "Blackies". Noch höhere Schulden wurden in den letzten Tagen kolportiert. Von bis zu 19 Millionen an Forderungen war zuletzt die Rede.
 

Höhere Forderungen
Nach Angaben von Vorstandsmitglied Franz Rinner, der als erste Alternative für Fedl und den Präsidenten-Job gilt, haben sich die Forderungen der Gläubiger auf 19,1 Mio. erhöht.
 

Von Seiten der zuständigen Anwaltskanzlei - Norbert Scherbaum ist der Masseverwalter - war aber am Dienstag zu erfahren, dass die Summe weiterhin rund 16 Mio. Euro betrage.
 

Harte Verhandlungen
Der größte Brocken sind die Außenstände bei der Finanzprokuratur, wo es laut Scherbaum vom Ende Dezember eine Annäherung der "zu Beginn der Verhandlungen eingenommenen Extremstandpunkte" gegeben hat.
 

"Der Stand ist sehr gut, aber es fehlt noch einiges, dass wir mit ruhigem Gewissen zu den Verhandlungen gehen können", sagte Rinner.