Hannes Kartnig legt Geständnis ab
Staatsanwalt unbeeindruckt von Geständnis
Ex-Sturm-Präsident Hannes Kartnig hat in
der Untersuchungshaft ein Geständis abgelegt. Er gab zu, Steuern
hinterzogen zu haben. Die Staatsanwaltschaft Graz zeigt sich von seinem
Geständnis wenig beeindruckt. Keine
Fluchtgefahr mehr?
Kartnig dürfte mit seinem Geständnis das
Ziel verfolgen, die Gründe für die Untersuchungshaft - Flucht- und
Verdunkelungsgefahr - zu entkräften. Der ehemalige Sturm-Präsident
gestand Steuerhinterziehung und will sich damit von der Untreue
abgrenzen.
Denn sollte Kartnig unerlaubt Geld von Sturm Graz im Casino verspielt
haben, würde sich das Strafmaß beträchtlich erhöhen.
Spielergehälter zum Teil schwarz gezahlt
Der Vorwurf der Steuerhinterziehung bezieht sich darauf, dass
Sturm-Spieler einen Teil ihres Gehalts aus Schwarzgeld bekommen haben
sollen, und zwar über anonyme Sparbücher, von denen sie abheben durften.
In den Augen von
Kartnigs Anwalt Richard Soyer hat der ehemalige Sturm-Präsident
ausreichend gestanden. "Mehr gibt es nicht zu
gestehen"
"Unser Mandant hält nichts mehr zurück. Er ist umfassend geständig, aus
der Perspektive der Verteidigung. Mehr gibt es nicht mehr zu gestehen.
Das, was er jetzt auf den Tisch gelegt hat, deckt Malversationen, die
finanzstrafrechtlich bedeutend sind, aber sicher nicht darüber
hinausgehen", sagte Soyer in der ORF-Sendung "Report" am Dienstag.
Staatsanwalt relativiert Geständnis
Manfred Kammerer, der Sprecher der
Staatsanwaltschaft Graz, relativierte Kartnigs Kooperationsbereitschaft
hingegen: "Die Sachverhalte sind nicht vom Tisch. Er hat sich nur in
Punkten geständig gezeigt, in denen er schon klar überführt war."
"Keine große Leistung"
Man sehe im Zugeben von Taten, die durch Unterlagen und Belege klar
nachgewiesen wurden, keine große Leistung, betonte Kammerer.
Abgesehen davon, dass man dem gefallenen Sturm-Zampano neben der
Abgabenhinterziehung auch noch Veruntreuung, Untreue, betrügerische
Krida und grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen zur
Last legt, sei die Anklage in der jüngsten Hauptverhandlung auch noch
auf das "Verbrechen des schweren Betrugs" ausgeweitet worden.
Ermittlungen laufen weiter
Bis zur nächsten Verhandlung in drei
Wochen werde laut Kammerer daher unverändert weiter erhoben. Die
Summe der ungeklärten Geldflüsse hat sich zwar im Laufe der bisherigen
Erhebungen von 2,3 Millionen Euro auf 490.000 Euro reduziert. Von einer
endgültigen Summe könne aber noch keine Rede sein, heißt es bei der
Staatsanwaltschaft. Nachspiel für Spieler?
Ein äußerst unangenehmes Nachspiel könnte
das Geständnis der Schwarzgeldzahlungen für ehemalige Sturm-Kicker und
-Trainer haben, die anonyme Sparbücher und sonstige an der Finanz
vorbeigeschleuste Zahlungen erhalten haben. Kammerer sagte dazu:
"Die gerichtliche Zuständigkeit beginnt in solchen Fällen ab 75.000
Euro. Nun gilt es die Frage zu klären, ob Spieler oder Trainer diese
Grenze überschritten haben." Zunächst werde die Finanzbehörde tätig.
Fragen an Vastic und Co.
Einigen Akteuren aus der "goldenen"
Sturm-Ära wie Ivica Vastic, Markus Schopp, Hannes Reinmayr, Mario Haas
und Co. in der Champions League drohen voraussichtlich unangenehme
Befragungen.
Es stellt sich in erster Linie die Frage, ob die Zahlungen von den
Empfängern versteuert wurden oder nicht. Im zweiten Fall wäre das ein
Finanzdelikt. Das Finanzamt Graz wollte dazu am Mittwoch allerdings
keinerlei Auskunft geben. |