MEDIENARCHIV 06.07

 

Hannes Kartnig legt Geständnis ab

 

Staatsanwalt unbeeindruckt von Geständnis
Ex-Sturm-Präsident Hannes Kartnig hat in der Untersuchungshaft ein Geständis abgelegt. Er gab zu, Steuern hinterzogen zu haben. Die Staatsanwaltschaft Graz zeigt sich von seinem Geständnis wenig beeindruckt. Keine Fluchtgefahr mehr?
Kartnig dürfte mit seinem Geständnis das Ziel verfolgen, die Gründe für die Untersuchungshaft - Flucht- und Verdunkelungsgefahr - zu entkräften. Der ehemalige Sturm-Präsident gestand Steuerhinterziehung und will sich damit von der Untreue abgrenzen.

Denn sollte Kartnig unerlaubt Geld von Sturm Graz im Casino verspielt haben, würde sich das Strafmaß beträchtlich erhöhen.
Spielergehälter zum Teil schwarz gezahlt
Der Vorwurf der Steuerhinterziehung bezieht sich darauf, dass Sturm-Spieler einen Teil ihres Gehalts aus Schwarzgeld bekommen haben sollen, und zwar über anonyme Sparbücher, von denen sie abheben durften. In den Augen von Kartnigs Anwalt Richard Soyer hat der ehemalige Sturm-Präsident ausreichend gestanden. "Mehr gibt es nicht zu gestehen"
"Unser Mandant hält nichts mehr zurück. Er ist umfassend geständig, aus der Perspektive der Verteidigung. Mehr gibt es nicht mehr zu gestehen. Das, was er jetzt auf den Tisch gelegt hat, deckt Malversationen, die finanzstrafrechtlich bedeutend sind, aber sicher nicht darüber hinausgehen", sagte Soyer in der ORF-Sendung "Report" am Dienstag. Staatsanwalt relativiert Geständnis
Manfred Kammerer, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, relativierte Kartnigs Kooperationsbereitschaft hingegen: "Die Sachverhalte sind nicht vom Tisch. Er hat sich nur in Punkten geständig gezeigt, in denen er schon klar überführt war." "Keine große Leistung"
Man sehe im Zugeben von Taten, die durch Unterlagen und Belege klar nachgewiesen wurden, keine große Leistung, betonte Kammerer.

Abgesehen davon, dass man dem gefallenen Sturm-Zampano neben der Abgabenhinterziehung auch noch Veruntreuung, Untreue, betrügerische Krida und grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen zur Last legt, sei die Anklage in der jüngsten Hauptverhandlung auch noch auf das "Verbrechen des schweren Betrugs" ausgeweitet worden. Ermittlungen laufen weiter
Bis zur nächsten Verhandlung in drei Wochen werde laut Kammerer daher unverändert weiter erhoben. Die Summe der ungeklärten Geldflüsse hat sich zwar im Laufe der bisherigen Erhebungen von 2,3 Millionen Euro auf 490.000 Euro reduziert. Von einer endgültigen Summe könne aber noch keine Rede sein, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Nachspiel für Spieler?
Ein äußerst unangenehmes Nachspiel könnte das Geständnis der Schwarzgeldzahlungen für ehemalige Sturm-Kicker und -Trainer haben, die anonyme Sparbücher und sonstige an der Finanz vorbeigeschleuste Zahlungen erhalten haben. Kammerer sagte dazu: "Die gerichtliche Zuständigkeit beginnt in solchen Fällen ab 75.000 Euro. Nun gilt es die Frage zu klären, ob Spieler oder Trainer diese Grenze überschritten haben." Zunächst werde die Finanzbehörde tätig. Fragen an Vastic und Co.
Einigen Akteuren aus der "goldenen" Sturm-Ära wie Ivica Vastic, Markus Schopp, Hannes Reinmayr, Mario Haas und Co. in der Champions League drohen voraussichtlich unangenehme Befragungen.

Es stellt sich in erster Linie die Frage, ob die Zahlungen von den Empfängern versteuert wurden oder nicht. Im zweiten Fall wäre das ein Finanzdelikt. Das Finanzamt Graz wollte dazu am Mittwoch allerdings keinerlei Auskunft geben.