MEDIENARCHIV

 
"Kartnig war ein Zocker"
Hans Rinner ist der neue starke Mann bei Sturm Graz. Selbst sieht sich der Unternehmer aber als Teamplayer. sportnet.at besuchte den Sturmpräsidenten in Graz und sprach mit ihm über "Sturm neu", die Fehler seiner Vorgänger, Sorgen des Lokalrivalen und warum die meisten heimischen Vereine mehr ausgeben als sie einnehmen können.

sportnet.at: Herr Rinner, um wieviel fallen Ihnen die Interviews heute leichter, als noch vor ein zwei Monaten?

Hans Rinner „Für mich war es eigentlich nie schwierig in die Öffentlichkeit zu gehen. Wir hatten ja damals im Konkursverfahren immer ein ganz klares Ziel vor Augen. Gemeinsam hatten wir einen Plan entwickelt, an den wir immer glaubten.“

Sie traten damals mit Hans Fedl und anderen als Team an. Ist Teamplay das neue Schlagwort bei Sturm Graz?

„Wir waren ja alle bereits im Verein auf unterschiedliche Weise engagiert. Mein Vorgänger Hans Fedl ist absoluter Identitätsträger des Vereins. Der Hans war in den letzten dreißig Jahren bei fast jedem Sturm-Spiel, da kenne ich keinen Zweiten. Für das damals laufende Ausgleichsverfahren war er immens wichtig. Hans Fedl hat uns dabei immer den Rücken frei gehalten. Insgesamt waren bei der ‚Rettung des Vereins’ aber ein Vielzahl an Menschen beteiligt.“

Nicht unbeteiligt waren auch die steirischen Investoren. Die Raiffeisenbank, Styria Gruppe und Grazer Wechselseitige Versicherung haben letztendlich den Zwangsausgleich finanziert. Wie holten Sie die Unternehmen an Bord?
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Puntigamer bleibt für weitere drei Jahre Hauptsponsor des SK Sturm.

„Von den Investoren gab es zwei klare Forderungen. Erstens: Rechtssicherheit, was durch den Ausgleich erlangt wurde und zweitens einen Neustart – das Management musste Wechseln. Diesen Wünschen haben wir entsprochen und das war gut so. Der klare Schnitt musste her. Entweder mussten alle gehen oder keiner. So gesehen war die Entscheidung klar.“

Sind diese Investoren eine solide Basis für eine sichere finanzielle Zukunft?

„Man muss auch dazu sagen, dass die drei Unternehmen für ihren finanziellen Einsatz ja nichts bekommen. Es ist oft fälschlich interpretiert worden, dass sie Sponsoren seien. Das ist nicht der Fall. Die drei sind Teilhaber der Sturm Marketing GmbH, so wie es unsere Gönnergruppe auch ist.“

Stichwort Sponsoring. Ihr Vertrag mit Puntigamer läuft aus. Der Eigentümer der Brau Union Heineken hat mehrfach angekündigt aus dem Sportsponsoring auszusteigen. Haben sie die Holländer schon umstimmen können?

„Glücklicherweise kann ich sagen, dass es eine Vertragsverlängerung für die kommenden drei Jahre geben wird. Es sind nur mehr Details zu klären. Heineken ist bewusst, dass Puntigamer Sturm zu einer Marke geworden ist. Von dieser Partnerschaft werden auch in Zukunft beide Seiten profitieren.“

Sie haben das Ausgleichsverfahren positiv hinter sich gebracht. Jetzt steht Stadtrivale GAK vor ähnlichen Problemen. Womöglich gibt es in Zukunft kein Derby mehr?

„Persönlich und als Sturm Präsident hoffe ich, dass es der GAK schafft. Gegner sind wir am Rasen und nur dort. Fußball lebt doch von Emotionen, so gesehen ist der Stadtrivale für Sturm identitätsstiftend. Sollte es den GAK nicht mehr geben, wäre es für die Fans, den Verein wie für die ganze Stadt ein schlechtes Zeichen.
„Ich versteh nur nicht, dass der GAK im Winter noch Spieler verpflichtet hat. Ein Uusimäki spielt doch auch nicht für einen Pappenstiel.“

Sturm hat bekanntlich sogar im laufenden Konkursverfahren Spieler geholt?

„Da lege ich schon Wert auf einen Unterschied. Mario Haas spielt für uns um ein sehr moderates Gehalt und Fabian Lamotte kam als Ersatz für die Abgänge von Ronald Gercaliu, Ernst Dospel und Alexander Pöllhuber.

Der steirische Weg ist als das Motto, wann wird er Erfolg bringen?
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Hoch gepokert, alles verspielt: Ex-Präsident Hannes Kartnig.
„Mein erstes Versprechen, als ich das Amt des Präsidenten antrat, war, dass ich Sturm nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten führen werde. Wenn man diesen Weg geht, ist dies nur mit einer guten Jugendarbeit möglich. Dort muss man investieren. Dazu kommt noch, dass wir die schlechtesten Trainingsbedingungen haben, auch hier muss was geschehen.“

Wieso hat Kartnig , als das Geld noch vorhanden war, nicht dort investiert?

„Ich schätze die Erfolge von Hannes Kartnig. Aber: Hannes ist ein Zocker. Er hat hoch gesetzt, hoch gewonnen und am Ende alles verloren. Das ist genau der Punkt, wenn ich meine, ich will den Klub nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten führen.“

Sie meinen, es wir keine Investitionen mehr auf Pump geben?

„Genau, unter wirtschaftlichen Kriterien verstehe ich, dass der SK Sturm in Zukunft jede Saison, wie ein Unternehmen, mit einer positiven Bilanz abschließen muss. Ich muss mir anschauen, wie hoch das Budget sein kann und drüber hinaus darf ich einfach nicht investieren. Das Problem in der Vergangenheit war jenes, dass wir eine Mannschaft für die Champions League hatten. Dann flogen wir, wie damals gegen Haifa mit Pech aus der Quali und uns fehlten plötzlich 50 Millionen (Schilling). Das ist im Grunde das Unkalkulierbare. Ebenso muss man sich einen Meistertitel erst Mal leisten können, was uns in der heimischen Liga ja leidvoll vor Augen geführt wird.“